Schriftenreihe

Die Reihe „Praxis und Kultur“ vereint Untersuchungen, die sich Phänomenen und Äußerungsformen der Alltagskultur widmen. Unter Alltagskultur wird eine dem Alltag inhärente Form gesellschaftlichen Seins verstanden, welche in ihrer komplexen Dynamik nur annäherungsweise beschrieben werden kann, da sie sich in der alltäglichen Praxis der Subjekte permanent modifiziert. „Praxis und Kultur“ geht deshalb auf die Suche nach den Potentialen kulturellen Handelns.
Herausgeber: Andreas E. Schmidt, Dr. phil., Professor für Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Erscheint im Frühjahr 2020:

Groth, Florian: Die Kegelbahn. Zwischen Raumerfahrung und sozialer Praxis (Praxis und Kultur, Bd. 7). Göttingen.

Unauffällig, fast unsichtbar befinden sich Kegelbahnen in Kneipenkellern, Hinterzimmern und Anbauten von Vereinsheimen. Mit ihrer Holzvertäfelung, Wimpeln und Utensilien, deren Zweck sich dem Fremden nicht erschließt, wirken sie wie Ungleichzeitigkeiten. In einer methodenpluralistischen Feldforschung wird in diesem Band der kulturellen Hervorbringung des Raumes nachgegangen. Unterwerfen sich die Keglerinnen und Kegler nur den kulturellen Ordnungen – oder bringen sie sich in der sozialen Praxis selbst zum Ausdruck?

Erscheint im Herbst 2019:


Riedelsberger, Kristin: Körperhaar. Zur individuellen Deutung und Aneignung einer Schönheitsnorm (Praxis und Kultur, Bd. 6). Göttingen.

Körperhaar hat am weiblichen Körper nichts zu suchen. Diese Vorstellung ist immer noch so stark etabliert, dass Frauen, die in der Öffentlichkeit Achsel- oder Beinbehaarung zeigen, eine irritierende Ausnahme darstellen. Die Mehrheit der Frauen „zivilisiert“ ihren Körper dem gängigen Anblick entsprechend – und auch immer mehr Männer entfernen ihr Achselhaar! Aber sind sie damit Opfer eines immer weiter um sich greifenden, deterministischen Schönheitsideals? Anhand ausführlicher Interviews mit Frauen und Männern werden in dieser Arbeit individuelle Deutungen und auch Handlungsspielräume aufgedeckt, die sich die Befragten besonders im Privaten – das heißt: allein oder im Laufe einer festen Partnerschaft – aktiv erarbeiten.


Schmidt, Andreas E. (2018): Befragung des Alltags (Praxis und Kultur, Bd. 5). Göttingen.

Das 20. Jahrhundert ist von zahlreichen Versuchen geprägt, Alltag als einen wissenschaftlichen Begriff zu befestigen. Dass dies nur unzureichend gelang, hat u. a. mit der Dominanz des Wortgebrauchs in der Umgangssprache zu tun. Eine Wissenschaft jedoch, welche die Untersuchung der Alltagskultur unmittelbar fokussiert, kann nicht umhin, Alltag begrifflich zu fassen, will sie nicht beliebig werden. Hier wird versucht, Alltag als einen wissenschaftlichen Begriff wiederzugewinnen und einen ersten Weg aufzuzeigen, wie Alltag im 21. Jahrhundert verstanden werden muss und welche Anforderungen er an jeden Einzelnen stellt.
Das vorliegende Buch ist die überarbeitete Fassung des Skripts einer im Sommersemester 2018 unter dem Titel “Analytik des Alltags” angebotenen Vorlesung im Fach Europäische Ethnologie/Volkskunde.

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Schmidt, Andreas E. (Hg.) (2015): Zwischen Virtuosität und Struktur – Kulturanthropologische Reflexionen zu Gestaltungsprozessen im Alltag (Praxis und Kultur, Bd. 4). Göttingen.

Wie frei ist der Mensch in seinen Vorstellungen, Handlungen und Interpretationen? Ist er ein immer schon unterworfenes Subjekt, dessen Existenz, Ausdrucksformen und Ausdrucksmittel von autopoietischen Institutionen bestimmt und modelliert werden? Reagiert er nur auf befestigte kulturelle Konstruktionen und Strukturen oder ist er Kreator sich ständig erneuernder kultureller Verhältnisse?

Bd3
Bergmann, Ute (2013): Glücksversprechen – Diskursive Formationen einer Verheißung (Praxis und Kultur, Bd. 3). Göttingen.

Was ist Glück? Offenbar existiert ein Markt für die Beantwortung dieser Frage, denn in den letzten Jahren ist dieses eigentlich sehr alte Thema variantenreicher Dauergast in unterschiedlichen Massenmedien. Mit Hilfe einer wissenssoziologischen Diskursanalyse wird in dieser Studie dargestellt, wie Presse und Ratgeberliteratur Glück konzeptionell fassen, wie sie es inhaltlich aufladen und damit maßgeblich an der Formierung der Vorstellungen von Glück beteiligt sind.

Bd2
Steffen, Johannes (2012): Wie Manager gemacht werden – Eine empirische Untersuchung an einer Business School (Praxis und Kultur, Bd. 2). Göttingen.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Beruf des Managers, trotz der jüngsten Verwerfungen, mit hoher Kompetenz und Durchsetzungsvermögen verbunden. Die Relevanz dieser Eigenschaften entfaltet sich dabei zweifach: zum einen im täglichen Handeln, zum andern in der gewünschten Wahrnehmung. Während eines dreiwöchigen Forschungsaufenthaltes an einer Business School in Deutschland wurde der Frage nachgegangen, auf welche Weise diese kulturellen Praktiken eingeübt werden und wie sie von den jungen Studierenden integriert, modifiziert und inszeniert werden.

Bd1
Hinrichs, Peter (2011): Wacken – Ein Dorf wird Metropole und Marke (Praxis und Kultur, Bd. 1). Göttingen.

Der Ort Wacken verwandelt sich einmal im Jahr von einer ländlichen Gemeinde zur Bühne eines internationalen, multimedialen Spektakels. Das Wacken Open Air hebt die ursprünglichen Markierungen des Dorfes auf und macht es zum Reiseziel von 75.000 Menschen aus der ganzen Welt. Dabei entsteht ein neuer sozialer und kultureller Raum, der verschiedenste Gruppen von Menschen auf engem Raum zusammenführt. Wacken wird innerhalb dieses Zeitraums zu einem Ort, an dem sich die Heavy Metal-Szene der ganzen Welt trifft: es wird zu einem „globalen Dorf“. Daneben wird der Name Wacken in die ganze Welt exportiert und so zu einer Markenbezeichnung für einen Lebensstil und eine Atmosphäre. Die Verwandlung und Genese dieses Raumes steht im Mittelpunkt dieses Buches.