Schriftenreihe

Die Reihe „Praxis und Kultur“ vereint Untersuchungen, die sich Phänomenen und Äußerungsformen der Alltagskultur widmen. Unter Alltagskultur wird eine dem Alltag inhärente Form gesellschaftlichen Seins verstanden, welche in ihrer komplexen Dynamik nur annäherungsweise beschrieben werden kann, da sie sich in der alltäglichen Praxis der Subjekte permanent modifiziert. „Praxis und Kultur“ geht deshalb auf die Suche nach den Potentialen kulturellen Handelns.
Herausgeber: Andreas E. Schmidt, Dr. phil., Professor für Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Erscheinen 2021:

Groth, Florian: Die Kegelbahn. Zwischen Raumerfahrung und sozialer Praxis (Praxis und Kultur, Bd. 8). Göttingen.

Unauffällig, fast unsichtbar befinden sich Kegelbahnen in Kneipenkellern, Hinterzimmern und Anbauten von Vereinsheimen. Mit ihrer Holzvertäfelung, Wimpeln und Utensilien, deren Zweck sich dem Fremden nicht erschließt, wirken sie wie Ungleichzeitigkeiten. In einer methodenpluralistischen Feldforschung wird in diesem Band der kulturellen Hervorbringung des Raumes nachgegangen. Unterwerfen sich die Keglerinnen und Kegler nur den kulturellen Ordnungen – oder bringen sie sich in der sozialen Praxis selbst zum Ausdruck?

Hinrichs, Peter: „Dancers to a Discordant System“. Kreativität und Praxis in der Metal- und Hardcore-Szene. (Praxis und Kultur, Bd. 7). Göttingen.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der kreative Spielraum, der aus dem Verhältnis zwischen Einzelnen und Vielen hervorgeht. Die Metal- und Hardcore-Szene wirken als soziokulturelle Rahmen, in denen Formen der Agency in Relation zu einer spezifischen symbolischen Ordnung stehen. Diese Spannungen zwischen Kollektiv und Individuum, die dabei identifizierbaren Formationen von Wissen, Wertevorstellungen und damit korrespondierenden Subjektivierungen und Praktiken, welche zwischen Handlungspotenzial und Handlungsbeschränkung oszillieren, stehen im Zentrum der Analyse. Kreativität bildet in dieser Hinsicht einen Schlüsselbegriff, der aus so unterschiedlichen Bereichen wie der antiken Philosophie, Kunst und Ästhetik sowie der Psychologie mit Bedeutungen aufgeladen wurde. In seiner facettenreichen Entwicklung werden semantische Veränderungen und Erneuerungen erkennbar, die Aufschluss geben über das, was als kreativ galt, gilt und gelten soll. Aus einer kulturanthropologischen Perspektive der Europäischen Ethnologie/Volkskunde wurden die kreativen Potenziale in der Metal- und Hardcore-Szene mit empirischen Ansätzen untersucht, die sich aus Interviews, Medientextanalysen und teilnehmenden Beobachtungen speisen.

Bereits erschienen:

Steffen, Johannes: Marktnarrative. Naturalisierende Erzählungen der Start-up-Ökonomie (Praxis und Kultur, Bd. 6). Göttingen.

Vor dem Hintergrund einer zunehmend digitalen Wertschöpfung im globalen Wirtschaftsgeschehen sind Start-ups auf mindestens zwei Weisen prototypisch. Zum einen stehen sie per definitionem für eine neue Idee, eine neue Dienstleistung oder ein neues Produkt. Zum anderen bedient die Gründerfigur geradezu mustergültig jene weitreichenden wirtschaftlichen Imperative, die nach einem selbstverantworteten Unternehmertum zwischen persönlicher Risikobereitschaft und technischer Innovation verlangen. In der gründerischen Praxis heißt dies: Was zunächst als Idee beginnt, muss durch fortlaufende Arbeit der Gründerinnen und Gründer nicht nur zu Investitionen führen, sondern auch zur Generierung einer entsprechenden Nachfrage auf Kundenseite. Das Sprechen, Designen, Überzeugen sowie das fortlaufende Setzen von Affekten werden zu zentralen Aktivitäten, die neue Marktstrukturen ausprägen und dynamisieren können.

Diese Untersuchung widmet sich ethnografisch der Start-up-Ökonomie im Umfeld eines urbanen Coworking-Space. Dabei kommen nicht nur die Gründerinnen und Gründer zu Wort, sondern es werden auch Vorträge von früheren US-amerikanischen Start-up-Gründern beleuchtet. Im Zuge dessen wird der Begriff der Marktnarrative theoretisch ausgestaltet und ein dezidiert kulturwissenschaftlicher Marktbegriff vorgeschlagen.

Johannes Steffen, Projektmanager für Unternehmensentwicklung, Hamburg

(Zugl. Diss. Univ. Kiel)


Schmidt, Andreas E. (2018): Befragung des Alltags (Praxis und Kultur, Bd. 5). Göttingen.

Das 20. Jahrhundert ist von zahlreichen Versuchen geprägt, Alltag als einen wissenschaftlichen Begriff zu befestigen. Dass dies nur unzureichend gelang, hat u. a. mit der Dominanz des Wortgebrauchs in der Umgangssprache zu tun. Eine Wissenschaft jedoch, welche die Untersuchung der Alltagskultur unmittelbar fokussiert, kann nicht umhin, Alltag begrifflich zu fassen, will sie nicht beliebig werden. Hier wird versucht, Alltag als einen wissenschaftlichen Begriff wiederzugewinnen und einen ersten Weg aufzuzeigen, wie Alltag im 21. Jahrhundert verstanden werden muss und welche Anforderungen er an jeden Einzelnen stellt.
Das vorliegende Buch ist die überarbeitete Fassung des Skripts einer im Sommersemester 2018 unter dem Titel “Analytik des Alltags” angebotenen Vorlesung im Fach Europäische Ethnologie/Volkskunde.

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Schmidt, Andreas E. (Hg.) (2015): Zwischen Virtuosität und Struktur – Kulturanthropologische Reflexionen zu Gestaltungsprozessen im Alltag (Praxis und Kultur, Bd. 4). Göttingen.

Wie frei ist der Mensch in seinen Vorstellungen, Handlungen und Interpretationen? Ist er ein immer schon unterworfenes Subjekt, dessen Existenz, Ausdrucksformen und Ausdrucksmittel von autopoietischen Institutionen bestimmt und modelliert werden? Reagiert er nur auf befestigte kulturelle Konstruktionen und Strukturen oder ist er Kreator sich ständig erneuernder kultureller Verhältnisse?

Bd3
Bergmann, Ute (2013): Glücksversprechen – Diskursive Formationen einer Verheißung (Praxis und Kultur, Bd. 3). Göttingen.

Was ist Glück? Offenbar existiert ein Markt für die Beantwortung dieser Frage, denn in den letzten Jahren ist dieses eigentlich sehr alte Thema variantenreicher Dauergast in unterschiedlichen Massenmedien. Mit Hilfe einer wissenssoziologischen Diskursanalyse wird in dieser Studie dargestellt, wie Presse und Ratgeberliteratur Glück konzeptionell fassen, wie sie es inhaltlich aufladen und damit maßgeblich an der Formierung der Vorstellungen von Glück beteiligt sind.

Bd2
Steffen, Johannes (2012): Wie Manager gemacht werden – Eine empirische Untersuchung an einer Business School (Praxis und Kultur, Bd. 2). Göttingen.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Beruf des Managers, trotz der jüngsten Verwerfungen, mit hoher Kompetenz und Durchsetzungsvermögen verbunden. Die Relevanz dieser Eigenschaften entfaltet sich dabei zweifach: zum einen im täglichen Handeln, zum andern in der gewünschten Wahrnehmung. Während eines dreiwöchigen Forschungsaufenthaltes an einer Business School in Deutschland wurde der Frage nachgegangen, auf welche Weise diese kulturellen Praktiken eingeübt werden und wie sie von den jungen Studierenden integriert, modifiziert und inszeniert werden.

Bd1
Hinrichs, Peter (2011): Wacken – Ein Dorf wird Metropole und Marke (Praxis und Kultur, Bd. 1). Göttingen.

Der Ort Wacken verwandelt sich einmal im Jahr von einer ländlichen Gemeinde zur Bühne eines internationalen, multimedialen Spektakels. Das Wacken Open Air hebt die ursprünglichen Markierungen des Dorfes auf und macht es zum Reiseziel von 75.000 Menschen aus der ganzen Welt. Dabei entsteht ein neuer sozialer und kultureller Raum, der verschiedenste Gruppen von Menschen auf engem Raum zusammenführt. Wacken wird innerhalb dieses Zeitraums zu einem Ort, an dem sich die Heavy Metal-Szene der ganzen Welt trifft: es wird zu einem „globalen Dorf“. Daneben wird der Name Wacken in die ganze Welt exportiert und so zu einer Markenbezeichnung für einen Lebensstil und eine Atmosphäre. Die Verwandlung und Genese dieses Raumes steht im Mittelpunkt dieses Buches.